Tablettenfälschern auf der Spur

Wer in Deutschland oder in einem anderen Industrieland in eine Apotheke geht, kann sicher sein, dass in den Tabletten, die dort verkauft werden, auch das drin ist, was draufsteht. In vielen Entwicklungsländern ist das leider nicht der Fall. Medikamentenfälschungen sind in weiten Teilen der Welt ein großes Problem. Im besten Fall ist ein gefälschtes Medikament einfach wirkungslos, doch manchmal sind die Fälschungen auch verunreinigt und können damit gefährlich für die Käufer werden.

Fälschungen bei Medikamenten zu erkennen, ist oft schwierig. Von außen sieht man einer Tablette oder Pille nicht an, ob sie einen Wirkstoff enthält oder nicht. Vier Ökonomen aus den USA haben in einer Studie nun versucht, die Identifikation von Fälschungen zu erleichtern – in dem sie herausfinden, welche Pharmafirmen sie in Umlauf bringen. Dafür untersuchten sie zunächst, wo besonders viele gefälschte der wirkungslose Medikamente auf dem Markt sind. In mehreren afrikanischen Entwicklungsländern sowie großen Schwellenländern wie Russland, China und Indien kauften sie Insgesamt 1470 Antibiotika und Tuberkulose-Medikamente und nahmen sie in einem Labor unter die Lupe. Zehn Prozent der Medikamente enthielten tatsächlich gar keinen oder nur eine sehr geringe Dosis des Wirkstoffs. Als die Ökonomen verglichen, in welchen Ländern ihnen besonders viele Fälschungen verkauft worden waren, stellten sie fest, dass es große Unterschiede zwischen den afrikanischen Ländern in ihrer Studie und den übrigen Staaten, vor allem Indien, gab. Diesem Hinweis gingen die Ökonomen weiter nach und kamen bei einer genaueren Analyse der Daten zu einem Verdacht: Ein Großteil der Medikamente ohne Wirkung schien von indischen Herstellern zu stammen. Auf dem Heimatmarkt verkauften sie demnach echte Tabletten, doch für den Export in Entwicklungsländer vor allem in Afrika verwendeten sie Fälschungen verwenden – so zumindest der Verdacht der Ökonomen.

Bisher ist das allerdings nur das: ein Verdacht. Er ergibt sich einzig aus der statistischen Auswertung der Daten. Für die Ergebnisse der vier Ökonomen könnte es auch eine andere Erklärung geben. Doch mit ihrer aufwendigen Studie haben sie eine neue Spur bei den Ermittlungen gegen Medikamenten-Fälscher aufgedeckt.

Die Studie „Poor Quality Drugs and Global Trade: A Pilot Study“ gibt es hier zum Download.

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