Kann ein legaler Markt für Elfenbein Elefanten retten?

Sie kamen mit Hubschraubern und Kettensägen und ließen ihren Opfern keine Chance. Im Garamba Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo wurden in den vergangenen zwei Monaten 68 Elefanten von Wilderern getötet, berichtet die Tierschutzorganisation „International Fund for Animal Welfare“ auf ihrer Internetseite. Allein innerhalb von zwei Wochen erlegten die Wilderer 30 Tiere und sägten ihnen die Stoßzähne ab. Leider ist das ein ziemlich gutes Geschäft. Ein Kilo Elfenbein ist je nach Verarbeitung bis zu 7000 Dollar wert und Elefanten sind daher für viele eine lukrative Einnahmequelle. Terroristengruppen wie Boko Haram und Al-Shabab finanzieren ihre Attacken zum Beispiel mit dem Verkauf von Elfenbein, teilweise werden die Stoßzähne direkt in Munition umgetauscht.

Angesichts von derartigen Massakern fordern einige Ökonomen seit langem eine neue Herangehensweise im Kampf gegen Wilderer. Zum einen sollen die Tiere besser geschützt werden, zum Beispiel durch leichter zu kontrollierende Schutzgebiete und mehr Ranger. Aber auch an einer anderen Stelle würden Ökonomen gerne ansetzen: Den Markt für Güter wie Elfenbein, Nashorn-Hörner und Tigerknochen manipulieren. Eine, allerdings sehr umstrittene, Idee dabei ist, den Handel mit solchen Gütern zum Teil zu erlauben. Dahinter steckt die gleiche Argumentation wie bei der Legalisierung von Cannabis: Durch ein großes legales Angebot den Preis so weit senken, dass sich das Geschäft für Kriminelle nicht mehr lohnt. Weil bei Gütern aus Wilderei wie bei Drogen die Nachfrage hoch und das Angebot niedrig ist, steigen die Preise. Kokain-Dealer und Wilderer lassen sich gut dafür bezahlen, dass sie für die Beschaffung der Waren Gesetze brechen und ihr Leben riskieren. Die hohen Preise führen wiederum dazu, dass der Drogenhandel und die Wilderei ein lukratives Geschäftsfeld sind und sich professionelle Organisationen bilden, die viel Geld ausgeben können. Zum Beispiel um sich Hubschrauber und Scharfschützengewehre für die Elefantenjagd zu leisten.

Dieser Mechanismus könnte durch einen legalen Handel mit Elfenbein und anderen Waren von bedrohten Tieren durchbrochen werden, glauben Ökonomen wie Michael’t Sas-Rolfes und Timothy Fitzgerald. Bei Nashörnern ist es zum Beispiel möglich, einen Teil des Horns zu entfernen, ohne dass es dem Tier schadet, da er wieder nachwächst. Bei Elefanten geht das nur bedingt, allerdings gibt es noch viel Elfenbein, das in Lagern von Regierungen hauptsächlich in Afrika und Asien liegt. Würde dieses Angebot auf den Markt kommen, würde der Preis einbrechen und es würde sich für Wilderer nicht mehr lohnen, mit Hubschraubern in den Garamba Nationalpark zu fliegen.

Der Plan hat allerdings einige Schwächen. Die wichtigste: Eine Legalisierung könnte die Nachfrage nach Elfenbein weiter erhöhen, wenn der Kauf nicht mehr strafbar ist. Ob es wirklich so kommen würde, ist nicht klar. Viele Tierschützer wollen dieses Experiment aber lieber nicht wagen. Auf der anderen Seite scheint auch klar: Viel schlimmer als jetzt kann es nicht mehr werden.

In der Studie „Can a Legal Horn Trade Save Rhinos?“ erklären die Ökonomen Michael’t Sas-Rolfes und Timothy Fitzgerald ihre Idee. Hier gibt es sie zum Download.

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