Wie eine Versicherung Leben retten und Kriege verhindern kann

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wurde mal die „dümmste Bank Deutschlands“ genannt, als sie 2008 der bereits insolventen US-Bank Lehmann Brothers noch mal schnell 320 Millionen Euro überwies. Eines ihrer neuesten Projekte ist aber ziemlich schlau. Die staatliche Entwicklungsbank unterstützt mit 50 Millionen Euro den Start einer neuen Versicherungsgesellschaft mit sperrigem Namen: der Africa Risk Capacity Agency Insurance Company (ARC). Die ARC soll eine neue Versicherung verkaufen, mit der sich Staaten in Afrika gegen lange Dürreperioden absichern können.

Wenn der Regen ausbleibt, ist das für viele Länder in Afrika, in denen ein Großteil der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitet, eine Katastrophe. Dürren führen jedes Jahr zu Hungersnöten und kosten viele Menschen das Leben. Die Idee hinter der neuen Versicherung: Kommt es in einem Land zu einer anhaltenden Dürre, zahlt die Versicherung einen vorher festgelegten Betrag aus, mit dem die Regierung Hilfsprogramme finanzieren kann. Wie viel Geld es genau gibt und wofür es ausgegeben werden darf, verhandeln die Staaten beim Abschluss der Versicherung. Organisiert wird die ARC vom World Food Programm und der Afrikanischen Union. Neben der KfW gibt auch das britische Entwicklungshilfeministerium Startkapital.

Das Konzept für eine Dürreversicherung gibt es schon länger. Die Ökonomen Raymond Fisman und Edward Miguel hatten diese Idee bereits vor fünf Jahren. Sie nannten ihr Model „Rapid Conflict Prevention Support“ und wollten es vor allem dafür einsetzen, Bürgerkriege zu verhindern. Sie hatten mehrere Kriege in afrikanischen Ländern analysiert und festgestellt, dass die Kämpfe oft nach einer langen Dürre oder ähnlichen Naturkatastrophen begannen. Wenn ihre Ernte durch eine Dürre zerstört werde, seien Bauern eher dazu bereit, sich einer Rebellengruppe anzuschließen, weil sie nichts mehr zu verlieren hätten, schlussfolgerten Fisman und Miguel. Mit einer Versicherung, die im Fall einer Dürre Hilfsprogramme für die Bauern finanziert, könnte man dafür sorgen, dass Rebellengruppen nicht mehr so leicht Rekruten finden und Bürgerkriege stoppen. Lange fand sich allerdings weder ein Versicherungsunternehmen noch eine Hilfsorganisation, die eine solche Versicherung anbieten wollten. Das ändert sich nun mit der ARC. Geholfen haben dürfte dem neuen Projekt auch die Unterstützung des Ökonomie-Nobelpreisträgers Robert J. Shiller, der zuletzt beim Weltwirtschaftsforum in Davos kräftig Werbung gemacht hat.

Die ARC will bald die ersten Versicherungsverträge abschließen. Wenn es dann zur nächsten Dürre kommt, muss sich zeigen, ob die Idee der Ökonomen in der Realität funktioniert.

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