Werbespots mit Hintergedanken

Es sieht inzwischen ja tatsächlich so aus, als wenn die politische Karriere von Silvio Berlusconi dem Ende zugeht. Weil er 2013 wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde, muss Berlusconi bald in einem Altersheim Sozialstunden ableisten, weitere Gerichtsverfahren drohen und den Rückhalt in seiner Partei hat er auch zu einem Großteil verloren. Ein politisches Comeback scheint diesmal wirklich unmöglich, obwohl man bei Berlusconi mit solchen Aussagen vorsichtig sein sollte. Fast zwei Jahrzehnte hat Berlusconi die italienische Politik geprägt, war viermal Ministerpräsident. Was ihn (und auch viele Italiener) dabei nie sonderlich gestört hat: Er war nicht nur Politiker und Regierungschef, sondern gleichzeitig auch aktiver Unternehmer. In vielen Ländern ist eine solche Doppelrolle wegen der möglichen Interessenskonflikte verboten, in Italien jedoch nicht. Für Berlusconi hatte das viele Vorteile. Er konnte sich zum Beispiel in Interviewsendungen bei den Fernsehsendern seines Medienunternehmens Mediaset Wählern präsentieren ohne dabei von unangenehmen Fragen unabhängiger Journalisten genervt zu werden. Die Fernsehsender könnten für Berlusconi aber noch einen weiteren Vorteil gehabt haben: Sie könnten ein Kanal für die Annahme von Schmiergeldern gewesen sein.

Das legt zumindest eine Studie von vier Ökonomen nahe. Die Forscher um Eliana La Ferrara von der Bocconi Universität in Mailand haben sich dabei angeschaut, wie sich die Werbeeinnahmen bei den Sendern von Mediaset Berlusconis politischer Karriere verändert haben. Dabei fanden sie einen deutliches und ziemlich verdächtiges Muster. Während Berlusconis zweiter Amtszeit als Ministerpräsident von 2001 bis 2006 stiegen die Werbeeinnahmen von Mediaset zum Beispiel stark an. Bei den Konkurrenzsendern des öffentlich-rechtlichen Netzwerkes Rai hingegen sanken die Werbeeinnahmen während dieser Zeit. Ähnlich war es zwischen 2008 und 2009 als Berlusconi erneut an der Macht war. Viele Unternehmen scheinen also ihre Werbeetats immer nach Berlusconis Wahl zum Ministerpräsidenten umgeschichtet zu haben und vor allem in den von ihm kontrollierten Sendern Werbeblöcke geschaltet zu haben.

Dahinter könnte eine Art indirekte Korruption stecken, vermuten die Ökonomen. Die steigenden Werbeeinnahmen erhöhen den Gewinn von Mediaset und kommen so am Ende auch Berlusconi zu Gute. Die Unternehmen könnten sich davon politische Unterstützung und vorteilhafte Gesetze versprochen haben. Dafür spricht ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Ökonomen konnten zeigen, dass vor allem in stark regulierten Branchen viele Unternehmen ihre Werbeetats in Berlusconis Amtszeiten zugunsten seiner Sender umschichteten. Für Unternehmen, deren Geschäfte durch viele Gesetze geregelt werden, ist die politische Kontaktpflege besonders wichtig.

Insgesamt hätten die steigenden Werbeeinnahmen Berlusconis Sendern in den neun Jahren seiner Zeit als Ministerpräsident einen zusätzlichen Gewinn von einer Milliarde Euro gebracht, schätzen die Ökonomen in ihrer Studie. Das zeige, dass derartige indirekte Schmiergeldzahlungen ein wichtiger Kanal für Korruption seien und von Ermittlern stärker beobachtet werden sollten. Denn fragwürdige Kombinationen aus Politiker und Unternehmer gibt es schließlich nicht nur in Italien.

Die Studie „Market-based Lobbying: Evidence from Advertising Spending in Italy“ von Stefano DellaVigna, Ruben Durante, Brian Knight und Eliana La Ferrara gibt es hier zum Download.

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