Der Kampf gegen Korruption ist nicht aussichtslos

In der ZEIT gab es in der vergangenen Woche (Ausgabe 12/2014) einen interessanten Artikel, der inzwischen auch online erschienen ist: http://www.zeit.de/2014/12/korruption-bestechlichkeit-protest-weltweit

Die Autorin Petra Pinzler beschreibt darin den weltweiten Kampf gegen Korruption und die Tatsache, dass sich gerade eine neue Erkenntnis durchsetzt: Es gibt wirksame Mittel, mit denen sich Bestechung und Vetternwirtschaft bekämpfen lassen. Das ist deswegen so spannend, weil es noch gar nicht lange her ist, dass Korruption von vielen als unvermeidliches Übel angesehen wurde und Unternehmen Schmiergelder sogar von der Steuer absetzen konnten. Ein Grund für die fatalistische Haltung war, dass es einfach zu viele Fehlschläge im Kampf gegen die Bestechlichkeit gegeben hatte. Wenn irgendwo auf der Welt eine korrupte Regierung abgewählt oder durch eine Revolution gestürzt wurde, kamen danach oft Politiker an die Macht, die sogar noch korrupter waren.

Doch in den vergangenen Jahren haben es einige Länder geschafft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ein Beispiel, das auch im Artikel gennant wird, ist Georgien. Das Land galt 2003 als eines der korruptesten der Welt und lag in der Rangliste der Nichtregierungsorganisation Transparency International auf dem letzten Platz. Seit dem hat sich in Georgien einiges geändert. Bei der Bewerbung um Studienplätze, der Ausschreibung von öffentlichen Aufträgen und in anderen korruptionsanfälligen Bereichen hat die Regierung Systeme eingeführt, die die Transparenz erhöht haben (einige der Reformen werden in diesem Artikel beschrieben). Dadurch hat es Georgien tatsächlich geschafft, die Korruption zurückzudrängen. Das Land ist in der Transparency -International-Rangliste inzwischen 100 Plätze nach oben geklettert.

Auch andere Ländern haben in den vergangenen Jahren Fortschritte beim Kampf gegen Korruption gemacht. Das ist vor allem der Verdienst von mutigen Politikern, die den Verlockungen des Schmiergelds widerstehen und ihr Land zum Guten verändern wollen. Aber auch Ökonomen haben einen Anteil daran, dass es inzwischen wirksame Mittel gegen Bestechung gibt. Sie ärgern sich schon lange über Korruption, denn aus ökonomischer Sicht ist sie ein großes Problem. Sie verhindert zum Beispiel, dass Märkte richtig funktionieren, etwa, wenn nicht die effizientesten Unternehmen öffentliche Aufträge bekommen, sondern die mit den besten Kontakten zu Politikern und den größten Schmiergeldkoffern. Ökonomen erforschen daher intensiv, wie man Korruption verhindern kann. Einer der bekanntesten Ökonomen auf diesem Gebiet ist Benjamin Olken vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). In zahlreichen Studien und Experimenten konnte er unter anderem zeigen, wie man Kontrollen durchführen muss, damit bei staatlichen Bauprojekten nicht bestochen wird, und wie geschickt Polizisten und Soldaten in Indonesien Schmiergeld von LKW-Fahrer erpressen. Auf seiner Webseite kann man sich durch seine Studien klicken. Ich werde auch hier immer mal wieder ein neue Arbeit von ihm und anderen ökonomischen Korruptionsjägern vorstellen.

Und hier noch ein Lesetipp zum Thema: Der Economist hat einen Vetternwirtschaft-Index entwickelt und damit gemessen, in welchen Ländern am meisten gemauschelt wird. Russland und die Ukraine stehen übrigens auf Platz 2 und 3.

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>