Slum-Economics

Rund 830 Millionen Menschen leben momentan in Slums, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Damit wohnt inzwischen fast jeder dritte Stadtbewohner weltweit in einem Slum. Die Armenviertel sind in den vergangenen Jahren rasant gewachsen, weil in Entwicklungs- und Schwellenländern immer mehr Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Ökonomen interessiert seit langem vor allem eine Frage: Geht es diesen Menschen besser oder schlechter als vorher? Und vor allem: Schaffen sie es irgendwann aus den Slums wegzukommen und in bessere Stadtviertel zu ziehen?

In einer neuen Studie konnten drei Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) einige dieser Fragen beantworten. Die Ökonomen haben Daten von über 130 000 Haushalten aus Slums in der ganzem Welt gesammelt und ausgewertet. Ein Großteil der Daten stammte aus Befragungen von Bewohnern der Slums in der kenianischen Stadt Kibera. Die Forscher konnte damit zeigen, dass viele Slumbewohner den Aufstieg in bessere Stadtviertel nicht schaffen. Viele haben zwar einen Job oder ein kleines Unternehmen, aber ein Großteil des so verdienten Gelds müssen sie für die Miete ausgeben, zeigt die Studie. Für viele lohnt sich der Umzug vom Land in einen Slum daher nicht, denn als Bauer haben sie vorher zwar weniger verdient, dafür aber kostenlos in einem eigenen Haus gelebt.

Außerdem ist die Hygiene in vielen Slums sehr schlecht. Die meisten Bewohner haben noch nicht mal eine eigene Toilette, konnten die MIT-Ökonomen zeigen. Infektionskrankheiten breiten sich daher schnell aus und können Slumbewohner, die keine Krankenversicherung haben, schnell in den Ruin treiben. Es ist daher sehr schwer, aus einem Slum den sozialen Aufstieg zu schaffen, schlussfolgern die Forscher.

Der Ökonom Sean Fox von der London School of Economics and Political Science hat vor kurzem ebenfalls eine Studie über Slums veröffentlicht, in der er einige interessante Zusammenhänge aufdeckt. Der Ursprung für die Entstehung von Slums scheint demnach in vielen Ländern in der Kolonialzeit zu liegen. In Länder, die in den 1950er Jahren noch stark unter dem Einfluss der Kolonialmacht Großbritannien standen, gab es mehr Slums, fand Fox heraus. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Kolonialmächte in die Entwicklung von Städten investierten, die noch heute davon profitieren und daher für Landbewohner sehr attraktiv sind. Außerdem haben bereits mehrere Studien gezeigt, dass viele Institutionen, mit denen Kolonialmächte die eroberten Länder kontrolliert und ausgebeutet haben, bis heute überlebt haben und inzwischen von Politikern und Unternehmern genutzt werden. Dadurch ist die Ungleichheit in diesen Staaten besonders groß und die Armen werden aus den Stadtzentren in die Slums abgedrängt.

In den kommenden Jahren werden die Slums weiter wachsen, zeigen Berechnungen der Vereinten Nationen. Es wird also höchste Zeit, dass die Zustände in den Armenvierteln besser und der soziale Aufstieg möglich wird.

Hier gibt es die erwähnten Studien zum Download:

„The Economics of Slums in the Developing World“ von Benjamin Marx, Thomas Stoker und Tavneet Suri

„The Political Economy of Slums: Theory and Evidence from Sub-Saharan Africa“ von Sean Fox

 

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