Die wertvollen Freundschaften zwischen Bankern und Politikern

Im Bundestag wurde heute ein neues Gesetz beschlossen, das die Bestechung von Abgeordneten unter Strafe stellt. Damit gelten für Abgeordnete nun ähnliche Regeln wie für Amtsträger. Vor allem aber kann die Bundesregierung jetzt die UN-Konvention gegen Korruption ratifizieren. Deutschland war da zuletzt in eher peinlicher Gesellschaft: Ebenfalls noch nicht ratifiziert haben die Konvention zum Beispiel Syrien, Somalia und Nordkorea – drei der korruptesten Länder der Welt.

Schärfere Gesetze allein helfen jedoch wenig gegen Korruption. Um Bestechung zu bestrafen, muss man sie erstmal aufdecken und das ist ziemlich schwierig. Die Beamten bei Polizei und Staatsanwaltschaft können nicht ständig Politiker und Unternehmen überwachen und sind auf Hinweise angewiesen. Helfen können ihnen Ökonomen, die in den vergangenen Jahren einen neuen Weg gefunden haben, korrupten Politikern und Lobbyisten auf die Schliche zu kommen. Denn es gibt einen Ort, an dem sich deren Machenschaften nahezu live beobachten lassen: Die Börse.

Im Aktienkurs eines Unternehmens sind die Informationen tausender Händler und Analysten zusammengefasst. Und die versuchen jeden Tag, möglichst viel über das Unternehmen herauszufinden. Korruption ist für Investoren eine besonders wertvolle Information, mit der sich an der Börse viel Geld verdienen lässt. Weiß ein Investor, dass ein Unternehmen an einen Politiker Schmiergeld zahlt, wird er in der Regel Aktien des Unternehmens kaufen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das Unternehmen von dem Politiker bald einen öffentlichen Auftrag zugespielt bekommt oder ein Gesetz verabschiedet wird, dass dem Unternehmen hilft. Dass Investoren tatsächlich gut über Schmiergeldzahlungen zwischen Unternehmen und Politiker Bescheid wissen, konnten die Ökonomen Raymond Fisman und Edward Miguel am Beispiel des ehemaligen indonesischen Dikators Suharto zeigen. Als Suharto in den 1990er Jahren öfter im Krankenhaus war und es Gerüchte gab, dass er einen Herzinfarkt hatte, brachen die Kurse einiger Unternehmen plötzlich stark ein. Die Investoren wussten also offenbar genau, welche Unternehmen vom Tod Suhartos besonders betroffen gewesen wären, weil sie sich durch Schmiergeldzahlungen oder andere Gefälligkeiten regelmäßig Aufträge sicherten.

Mit der Methode der gezielten Analyse von Börsenkursen haben Ökonomen bereits in zahlreichen Studien Hinweise auf Korruption und Vetternwirtschaft gefunden. In einer aktuellen Arbeit haben fünf Forscher um Daron Acemoglu vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf diese Weise die lukrativen Freundschaftsbeziehungen zwischen großen Banken und dem Finanzministerium in den USA aufgedeckt. Sie beobachteten, wie sich die Börsenkurse von Banken entwickelten, als US-Präsident Barack Obama  2008 einen Nachfolger für den scheidenden Finanzminister Henry Paulson suchte. Kurz nachdem Obama Timothy Geithner für den Posten vorgeschlagen hatte, schossen die Kurse einige Banken deutlich nach oben, während die Kurse anderer Institute sich fast gar nicht veränderten. Es dauerte nach der Nominierung jedoch noch rund zwei Monate, bis der US-Senat Geithner bestätigte. Kurze Zeit schien es sogar möglich, dass die Senatoren den Kandidaten ablehnten, denn inzwischen war bekannt geworden, dass Geithner rund 34 000 Dollar Steuern nicht bezahlt hatte. Während dieser Hängepartie brachen die Kurse der Banken, die vorher stark gestiegen waren, wieder ein. Für die Ökonomen waren die verdächtigen Kursbewegungen ein klares Zeichen, dass sich einige Banken von dem Finanzminister Timothy Geithner einen Vorteil versprachen.

Die größten Kursausschläge gab es tatsächlich bei Banken, in denen Freunde oder ehemalige Kollegen von Geithner arbeiteten, stellten die Ökonomen fest. So weit, dem ehemaligen US-Finanzminister Korruption vorzuwerfen, wollen die Forscher zwar nicht gehen. Ihre Ergebnisse zeigen aber auf jeden Fall, wie wertvoll es für Banken ist, einen guten Draht ins Finanzministerium zu haben. Und sie könnten Ermittlern Hinweise liefern, welche Entscheidungen und Gesetze sie sich genauer anschauen sollten.

Hier gibt es die Studie „The Value of Connections in Turbulent Times: Evidence from the United States“ zum Download.

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