Entwicklungshilfe mit BWL-Crashkursen

Dass es immer noch mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt gibt, die von weniger als einem Euro am Tag leben müssen, hat viele Gründe. Einer, der oft unterschätzt wird: Viele Arme haben einen schlechten Businessplan. In Entwicklungsländern ist mehr als jeder zweite Einwohner selbstständig, schätzt die Weltbank. Die meisten arbeiten als Bauern, haben einen kleinen Laden, eine Werkstatt oder ein Taxi. Leider sind viele dieser Mini-Unternehmen jedoch nicht wirklich erfolgreich und erwirtschaften nur wenig Gewinn. Um das zu ändern, sollten Entwicklungshelfer zu Unternehmensberatern werden, fordern Ökonomen.

Eine neue Studie zeigt, wie sich der Gewinn von kleinen Unternehmen schon durch simple Grundprinzipien des Management enorm steigern lässt. Drei Ökonomen aus den USA und Mexiko haben zusammen mit der Nichtregierungsorganisation CREA einen Management-Crashkurs entwickelt und in Dörfern in Mexiko mehrere hundert Frauen, die eine eigenes Unternehmen hatten, dazu eingeladen. Die Forscher ließen einen Zufallsmechanismus entscheiden, wer eine Zulassung zu dem Management-Kurs bekam und wer nicht. Den Frauen, die ausgelost wurden, erklärten Mitarbeiter von CREA Grundlagen der Buchhaltung, der Preistheorie und der Lagerhaltung. Zweieinhalb Jahre nach dem Kurs besuchten drei Ökonomen die Teilnehmerinnen und fragten sie, wie sich das Geschäft in ihren Läden und Werkstätten in der Zwischenzeit entwickelt hatte. Der Management-Crashkurs war ein voller Erfolg, stellten die Ökonomen schnell fest. Die Unternehmen der Teilnehmerinnen hatten mehr Kunden, erwirtschaftete einen höheren Umsatz und machten vor allem deutlich mehr Gewinn als die der Frauen, die nicht an dem Kurs hatten teilnehmen dürfen.

Die Forscher fordern daher, dass mehr Nichtregierungsorganisationen diese Art der ökonomischen Entwicklungshilfe anbieten. Denn auch andere Studien haben bereits gezeigt, wie wertvoll die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre im Kampf gegen die Armut sein können. Manchmal wachsen die Unternehmen der Armen durch die Lektionen der Unternehmensberater sogar so stark, dass sie nicht nur ihre Besitzer ernähren, sogar noch zahlreiche Arbeitsplätze schaffen, wie eine Studie des Yale-Forscher Dean Karlan nahelegt.

Hier gibt es die Studie „Business Literacy and Development: Evidence from a Randomized Controlled Trial in Rural Mexico“ zum Download.

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