Reality-TV als Verhütungsmittel

Fernsehserien entpuppen sich immer mehr als ein effektives Verhütungsmittel. Schon 2012 hat die Ökonomin Eliana La Ferrara zusammen mit zwei Kollegen eine kuriose Studie veröffentlicht, die zeigt, dass Telenovelas für den Rückgang der Geburtenraten in Brasilien mitverantwortlich sind. Die Forscher konnten zeigen, dass in Regionen, in denen viele Menschen die beliebten TV-Serien schauen, die Geburtenraten besonders schnell sanken. Ihre Erklärung: Die Zuschauerinnen eiferten den weiblichen Heldinnen in den Serien nach, die oft keine Kinder hatten. Die Serien waren laut den Ökonomen ein entscheidender Grund dafür, dass sich jahrhundertealte gesellschaftliche Normen in Brasilien plötzlich geändert haben und Großfamilien inzwischen nicht mehr als Ideal gelten.

Eine neue Studie aus den USA hat nun einen ähnlichen Effekt aufgedeckt. Die Ökonomen Melissa Kearne und Phillip Levine haben sich angeschaut, wie sich die MTV-Serie „16 and Pregnant“ auf das Sexualverhalten von Jugendlichen auswirkt. In dem Reality-TV-Format wird der Alltag von Jugendlichen gezeigt, die gerade ein Kind bekommen haben: Während die Freunde feiern gehen, müssen die 16-jährigen Eltern Windeln wechseln und Brei anrühren. Kearne und Levine beobachteten zunächst Suchanfragen bei Google und Nachrichten bei Twitter. Als eine neue Folge von  „16 and Pregnant“ im Fernsehen lief, wurden besonders häufig Begriffe wie „Abtreibung“ oder „Verhütungsmittel“ gesucht, stellten sie fest. Und 18 Monate nach dem Start der Serie gab es tatsächlich messbar weniger Teenager-Schwangerschaften in den USA. Die Ökonomen schätzen, dass die Serie die Zahl der Teenager-Schwangerschaften um rund sechs Prozent reduziert habe.

Ob der Effekt von „16 and pregnant“ wirklich so groß war, ist allerdings schwer zu bestimmen. Dafür müsste man erst detaillierte Umfragen unter den jugendlichen Zuschauern machen. Aber die Ergebnisse der Studie sind auf jeden Fall interessant und zeigen erneut, dass Fernsehserien oft mehr bewirken können als großangelegte Aufklärungskampagnen. Das ist auch für die Entwicklungshilfe eine wichtige Erkenntnis, denn in vielen Entwicklungsländern sind Teenager-Schwangerschaften und hohe Geburtenraten ein großes Problem.

Hier gibt es die Studie „Media Influences on Social Outcomes: The Impact of MTV’s 16 and Pregnant on Teen Childbearing“ zum Download.

 

Kommentar verfassen

Sie können die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>